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Ema sieht Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombosen

06 Apr 2021
Ema-Impffachmann Marco Cavaleri am 21. Dezember 2020 in einer Videoschalte

Die genauen Mechanismen, die zur Entstehung der Thrombosen führten, müssten aber noch untersucht werden, sagte der Ema-Impffachmann einer italienischen Zeitung. Italien prüft derzeit seine positive Haltung zum Astra-Zeneca-Impfstoff.

Italien überdenkt seine positive Haltung zur Impfung mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca. Für Dienstag wurde dazu ein Treffen zwischen Regierungsvertretern und der italienischen Arzneimittelaufsicht Aifa angekündigt. Zuletzt hatte es noch Unverständnis für die Aussetzung der Impfungen mit Astra-Zeneca in Deutschland gegeben, nach der sich auch Frankreich und Italien dazu gezwungen sahen mitzuziehen.

Vor dem Treffen zwischen Aifa und Regierungsvertretern veröffentlichte die römischen Zeitung „Il Messaggero“ am Dienstag ein Interview, das auch in Brüssel wahrgenommen wurde. Der Italiener Marco Cavaleri, der bei der europäischen Arzneimittelaufsicht Ema für Impfstoffe zuständig ist, äußerte darin, man könne inzwischen sagen, dass ein Zusammenhang zwischen den Impfungen mit Astra-Zeneca und den Thrombosen bestehe.

Das Durchschnittsalter der betroffenen Geimpften liege zwischen 45 und 47 Jahren, obwohl vereinzelt einige Fälle von Patienten im Alter zwischen 50 und 60 Jahren registriert worden seien. 20 Prozent der Thrombose-Fälle beträfen Männer. Die genauen Mechanismen, die zur Entstehung der Thrombosen führten, müssten aber noch untersucht werden. Bei den jüngeren Patienten seien Thrombosen häufiger, als es normalerweise zu erwarten wäre.

Natürlich sei es wünschenswert, wenn es eine einheitliche Bewertung der Impfstoffe von der Ema gebe, sagte Cavaleri. Dennoch könne jedes Land für sich entscheiden und abwägen. Die Umstände, die es zu berücksichtigen gelte, seien zum Teil auch unterschiedlich: In Norwegen etwa gebe es keine Covid-Toten mehr, in Italien dagegen bis zu 500 am Tag.

Das Verhältnis von Nutzen und Risiko sei bei Astra-Zeneca weiter positiv, sagte der Impfstoff-Verantwortliche der Ema. Es gelte jedoch, die Wirkung auf einzelne Altersgruppen zu untersuchen. Allerdings sei unklar, ob die Ema noch in dieser Woche eine endgültige Stellungnahme dazu abgeben werde.

Mitte März hatte die Ema, die ihren Sitz in den Niederlanden hat, geäußert, es gebe keine Hinweise, dass die Impfungen die Thrombose-Vorfälle verursacht hätten. Da das aber auch nicht ausgeschlossen sei, liefen dazu Untersuchungen. Ende März sprach sich Ema-Chefin Emer Cooke gegen Beschränkungen für den Einsatz des Impfstoffs aus. Eine aktualisierte Empfehlung der Ema sei für die Sitzung ihres Sicherheitsausschusses vom 6. bis 9. April zu erwarten, hieß es da.

Nach Cavaleris Äußerungen über einen Zusammenhang zwischen Impfung mit dem Astra-Zeneca und dem Auftreten von Blutgerinnseln stellte die Ema am Dienstag klar, dass sie in der Sache noch keine Entscheidung getroffen hat. Der entsprechende Ausschuss für Medikamentensicherheit habe „noch keine Schlussfolgerung gezogen, und die Prüfung läuft derzeit weiter“, teilte die EU-Behörde der Nachrichtenagentur AFP mit. Eine Entscheidung werde voraussichtlich am Mittwoch oder Donnerstag bekanntgegeben. Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides schrieb auf Twitter, am Mittwoch sei mit einer Ema-Bewertung zu rechnen.

Die jüngsten Entwicklungen könnten auch in Italien dazu führen, dass der Astra-Zeneca-Impfstoff weniger positiv bewertet wird. Mit Blick auf die vorübergehende Aussetzung im März hatte der Genueser Virologe Matteo Bassetti, Universitätsprofessor und Berater des Regionalpräsidenten von Ligurien für Fragen rund um das Coronavirus, die deutsche Entscheidung im italienischen Fernsehen noch als „eine Beleidigung für die Wissenschaftsgemeinde“ bezeichnet. Offenbar war ihm dabei nicht klar, dass deutsche Wissenschaftler von der Regierung einen vorübergehenden Impfstopp verlangt hatten. „Man hätte alle Überprüfungen vornehmen können, ohne die Impfkampagne zu stoppen und den Ruf des Impfstoffs schwer zu schädigen“, sagte Bassetti.

Daraufhin äußerte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi, es sei kein Fehler gewesen, die Impfungen mit Astra-Zeneca für vier Tage auszusetzen. Auch die Wissenschaftler in Deutschland seien bei der Einschätzung des Impfstoffs geteilter Meinung gewesen. Nun müsse die Impfkampagne in Italien aber rasch fortgesetzt werden, so Draghi. Er habe „keinerlei Zweifel“ an der Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs. Als der 73 Jahre alte Draghi wenige Tage später zum Impfen einbestellt wurde, ließ er sich mit dem Mittel von Astra-Zeneca impfen.

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